Holmegaard-Ideelle-Roedvinsglas-Klar-4304400-xZbzrl.png Holmegaard Idéelle Red Wine Glass 28 cl in clear mouth blown glass designed by Per Lütken
on October 03, 2026

Mundgeblasen bei Holmegaard: So entsteht das Idéelle-Glas

Jedes Glas der Idéelle-Serie von Holmegaard ist mundgeblasen. Der Begriff steht auf unzähligen Produktseiten und wird kaum je erklärt. Dieser Beitrag zeigt, was er für das Glas auf Ihrem Tisch tatsächlich bedeutet: wie dünn die Wände sind, warum kein Stück dem anderen ganz gleicht und weshalb das Rotweinglas doppelt so viel wiegt wie seine Geschwister.

Per Lütken und die Idéelle-Serie von 1978

Idéelle wurde von Per Lütken entworfen und stammt aus dem Jahr 1978. Lütken kam 1942 zu Holmegaard und blieb dem Unternehmen bis zu seinem Tod 1998 treu. Damit ist er der Designer, der am engsten mit dem Namen Holmegaard verbunden ist. Holmegaard bezeichnet ihn als einen seiner versiertesten Glasbläser. Seine Entwürfe gehen meist davon aus, was geschmolzenes Glas von sich aus tun will, wenn es gedreht und aufgeblasen wird, und nicht von einer Zeichnung, die dem Material aufgezwungen wird.

Diese Haltung ist in Idéelle deutlich zu sehen. Die Serie zeigt Lütkens Vorliebe für schwungvolle, feminine Formen: Kelche, die sich weiten und zum Rand hin sanft wieder schließen, und eine abgerundete Lippe, wo viele moderne Gläser eine scharfe, geschnittene Kante haben. Gedacht war Idéelle als komplettes Service mit Gläsern für verschiedene Weinsorten, Wasser, Champagner, Brandy, Aquavit und Bier, jeweils mit und ohne Stiel. Fast fünf Jahrzehnte später werden die Formen in Klarglas noch immer hergestellt, was viel darüber sagt, wie wenig sie von der Mode des Jahres 1978 abhingen.

Idéelle Rotweinglas 28 cl aus klarem, mundgeblasenem Glas mit rundem Kelch und schlankem Stiel
Das Idéelle Rotweinglas: 20 cm hoch, Ø8,5 cm, 28 cl.

Was mundgeblasen in der Praxis bedeutet

Ein mundgeblasenes Glas beginnt als Posten geschmolzenen Glases am Ende einer Glasmacherpfeife. Der Glasbläser bläst ihn mit seinem Atem auf, dreht ihn ununterbrochen, damit die Schwerkraft ihn nicht aus der Form zieht, und formt den Kelch, oft in einer Form, die das äußere Profil vorgibt. Stiel und Fuß werden bearbeitet, solange das Glas noch heiß ist, danach kühlt das Stück langsam ab, damit innere Spannungen es später nicht reißen lassen. Maschinell gepresstes oder maschinell geblasenes Glas folgt denselben physikalischen Grundlagen, doch Luftdruck und Timing bestimmt dort eine Anlage und kein Mensch.

Aus der Handarbeit ergeben sich drei praktische Folgen, und genau die lohnt es sich zu kennen, bevor Sie den Tisch mit Idéelle decken.

Wandstärke

Weil der Kelch von Hand aufgeblasen und gedreht wird, lässt sich das Glas dünn und gleichmäßig ausziehen, und der Rand muss nicht zur Stabilität verdickt werden, wie es bei gepresstem Glas oft der Fall ist. Bei Idéelle zeigt sich das an der weichen, abgerundeten Kante, die Holmegaard hervorhebt: Das Glas ist so verarbeitet, dass sich die Lippe glatt am Mund anfühlt und keinen harten Wulst bildet. Dünne Wände sind auch für den Wein wichtig. Sie sehen die Farbe im Glas mit weniger Verzerrung, und das Glas selbst fühlt sich beim Anheben kaum schwer an.

Kleine Unterschiede zwischen den Stücken

Keine zwei mundgeblasenen Gläser sind exakt gleich. Die Stielhöhe kann um einen Bruchteil abweichen, der Kelch kann eine Spur anders auf seinem Fuß sitzen, und gelegentlich findet sich ein winziges Luftbläschen im Glas. Das sind Spuren der Herstellung, keine Fehler. Stellen Sie sechs Idéelle-Gläser in eine Reihe, wirken sie wie ein einheitliches Set; betrachten Sie zwei nebeneinander genau, erkennen Sie, dass jedes einzeln geformt wurde. Viele Holmegaard-Sammler schätzen genau das, den stillen Beweis, dass ein Mensch das Objekt gemacht hat.

Gewicht und Balance

Bei einem mundgeblasenen Glas verteilt der Glasbläser das Gewicht, und Lütken achtete genau darauf, wo es liegt. Laut Holmegaard sorgt die Gewichtsverteilung dafür, dass die Gläser angenehm in der Hand liegen. Die angegebenen Gewichte sind auf ein Zehntel Kilogramm gerundet, also eher ein Richtwert als ein genaues Maß, aber sie sind aufschlussreich: Weißwein-, Champagner- und Dessertweinglas werden mit je 0,2 kg angegeben, das größere Rotweinglas mit 0,4 kg. Das Rotweinglas hat einen größeren Kelch, einen höheren Stiel und einen breiteren Fuß für mehr Standfestigkeit, und in diesem zusätzlichen Glas steckt das Gewicht.

Idéelle Champagnerglas 23 cl aus klarem, mundgeblasenem Glas mit hohem, schmalem Kelch
Das Idéelle Champagnerglas: 19,5 cm hoch, Ø7 cm, 23 cl.

Vier Idéelle-Stielgläser im Vergleich

Die vier Stielgläser, mit denen die meisten beginnen, teilen dasselbe Familienprofil, unterscheiden sich aber in Höhe, Öffnung und Volumen. Die folgenden Angaben stammen von Holmegaard.

GlasVolumenHöheDurchmesserGewicht
Rotwein28 cl20 cmØ8,5 cm0,4 kg
Champagner23 cl19,5 cmØ7 cm0,2 kg
Weißwein19 cl17,5 cmØ7,5 cm0,2 kg
Dessertwein14 cl15,5 cmØ6,5 cm0,2 kg

Zwei Details fallen auf. Das Champagnerglas ist fast so hoch wie das Rotweinglas, hat mit Ø7 cm aber die schmalste Öffnung der drei größeren Gläser, sodass die Perlen in einer schlanken Säule aufsteigen. Und die Höhen nehmen in klaren Stufen ab, sodass ein komplettes Gedeck wie eine abgestufte Gruppe wirkt und nicht wie eine Reihe fast gleicher Gläser.

Gläser auswählen und kombinieren

Das Idéelle Red Wine Glass 28 cl clear ist für die meisten Haushalte der naheliegende Einstieg. Sein 28-cl-Kelch gibt Rotwein Raum zum Atmen, und das zusätzliche Gewicht lässt es ruhig in der Hand liegen. Wer überwiegend Weißwein trinkt, hat mit dem Idéelle White Wine Glass 19 cl clear das nützlichere Alltagsglas: Mit 17,5 cm ist es spürbar niedriger, und der kleinere 19-cl-Kelch passt zu kühl serviertem Wein, der in kleineren Mengen eingeschenkt und öfter nachgefüllt wird.

Idéelle Weißweinglas 19 cl aus klarem, mundgeblasenem Glas, niedriger als das Rotweinglas
Das Idéelle Weißweinglas: 17,5 cm hoch, Ø7,5 cm, 19 cl.

Das Idéelle Champagne Glass 23 cl clear vervollständigt den festlichen Tisch, und weil seine Höhe der des Rotweinglases nahekommt, stehen beide gut nebeneinander, wenn sie an jedem Platz eingedeckt sind. Das Idéelle Dessert Wine Glass 14 cl clear ist mit 15,5 cm und 14 cl das kleinste der vier, gemacht für Portwein, Süßwein oder einen kleinen Schluck zum Abschluss des Essens. Vor die größeren Gläser gestellt, schließt es die absteigende Linie der Höhen ab.

Ein praktischer Ansatz: zuerst das Glas kaufen, das Sie jede Woche benutzen, und die anderen für die Anlässe ergänzen, zu denen Sie tatsächlich Gäste haben. Da die Serie seit 1978 durchgehend hergestellt wird, lässt sich ein Set auch später problemlos erweitern. Wenn Sie Idéelle mit den legereren Stielgläsern von Holmegaard vergleichen möchten, stellt unser Beitrag Flow oder Idéelle: Welches Holmegaard-Glas für jeden Tag? beide gegenüber.

Leben mit mundgeblasenem Glas

Dünne Wände bedeuten im Alltag nicht zerbrechlich, sofern man die Gläser vernünftig behandelt. Holmegaard gibt Idéelle als spülmaschinengeeignet bei maximal 55°C im Glasprogramm an. Stellen Sie die Gläser so ein, dass sie weder einander noch den Korb berühren, denn Kontakt während des Spülgangs ist eine häufigere Ursache für Abplatzer als Hitze. Beim Spülen von Hand halten Sie das Glas am Kelch, statt es am Fuß zu verdrehen, und trocknen es mit einem fusselfreien Tuch, solange es noch warm ist, damit keine Wasserflecken entstehen.

Bewahren Sie die Gläser aufrecht auf und nicht auf dem Rand; die abgerundete Kante ist der am feinsten gearbeitete Teil des Glases. Mit den Jahren fällt Ihnen vielleicht auf, dass jedes Glas Ihres Sets seinen eigenen kleinen Charakter hat, ein Stiel eine Spur höher, ein Kelch einen Hauch voller. Darin zeigt sich die Herstellungsweise, und genau deshalb fühlt sich ein mundgeblasenes Glas nach einem Entwurf von 1978 in der Hand noch immer anders an als ein maschinell gefertigtes.

Idéelle zusammen mit den übrigen Stielgläsern, Bechern und Karaffen von Holmegaard finden Sie in unserer gesamten Glas-Kollektion.