FUN-11DM_1600x_9f33617f-8b2a-4298-93ae-a47a2e3f1a8a.jpg Fun Pendant 11DM by Verner Panton with five tiers of seashell discs on a chrome frame
on September 29, 2026

Verner Pantons Fun-Leuchten: Perlmutt statt Lampenschirm

Verner Panton steht für Kunststoff, satte Farben und Räume, die den Körper umhüllen. Warum also setzt ausgerechnet eine seiner beliebtesten Leuchtenserien auf dünne Muschelscheiben an Metallringen? Dieser Beitrag zeigt, welchen Platz die Fun-Leuchten in seinem Werk einnehmen, wie der Muschelschirm aufgebaut ist und was vier aktuelle Modelle von VERPAN aus der Idee machen.

Ein Naturmaterial in einem Werk aus Kunststoff

Panton (1926–1998) studierte Architektur an der Königlich Dänischen Kunstakademie und verbrachte prägende Jahre im Büro von Arne Jacobsen. Danach ließ er den dänischen Mainstream hinter sich. Während viele seiner Zeitgenossen Teak, Eiche und geflochtene Kordel verfeinerten, suchte Panton nach industriellen Materialien, kräftigen Farben und Gesamtumgebungen, in denen Möbel, Leuchten, Wände und Textilien als ein einziger, umhüllender Raum entworfen wurden. Bis heute kennt man ihn vor allem für den Panton Chair, einen freischwingenden Stuhl aus einem Stück gegossenem Kunststoff, und für Interieurs, in denen Decke und Boden ineinanderzufließen scheinen.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Fun-Serie. Statt eines gegossenen oder gedrückten Schirms griff Panton zu Perlmutt: Muschel, in dünne Scheiben geschnitten und in überlappenden Reihen aufgehängt. Das war kein Rückzug ins Kunsthandwerk um seiner selbst willen. Die Muscheln leisteten etwas, das Kunststoff damals nicht konnte und bis heute kaum kann. Jede Scheibe besitzt ihr eigenes natürliches Schillern, sodass die Oberfläche der Leuchte nie gleichförmig wirkt, und weil keine Muschel der anderen gleicht, sieht auch keine Leuchte genau wie die andere aus.

Was Fun mit dem übrigen Werk Pantons verbindet, ist nicht das Material, sondern das Ziel. Licht sollte Atmosphäre schaffen und ebenso gespürt wie gesehen werden. Farbe, Bewegung und ein Gefühl von Geborgenheit waren in den 1960er-Jahren seine Werkzeuge, und der Muschelschirm liefert gleich zwei davon: eine wechselnde, perlmuttartige Farbe und ständige kleine Bewegung.

Fun Pendant 11DM mit Etagen aus Muschelscheiben in einem eichenvertäfelten Treppenhaus
Die Fun Pendant 11DM im Treppenhaus, wo sich ihre fünf Muschelringe von jedem Absatz aus betrachten lassen.

So ist der Muschelschirm aufgebaut

Die Konstruktion ist einfach, und gerade darin liegt ihr Reiz. Ein verchromtes Metallgestell trägt mehrere waagerechte Ringe. Daran hängen Edelstahlringe, die die Muschelscheiben untereinander verbinden, sodass jede Reihe einen lockeren Vorhang bildet. Die Reihen überlappen wie Schuppen, und je nach Modell treten die Etagen nach außen oder nach innen, was jeder Leuchte ihre Silhouette gibt.

Hinter den Muscheln sitzt kein Diffusor. Das Leuchtmittel befindet sich mitten in der Kaskade, sein Licht dringt durch die Scheiben und wird von ihnen zurückgeworfen. Dünnes Perlmutt ist lichtdurchlässig, daher wirkt das durchscheinende Licht warm und milchig, während die polierten Flächen helle Lichtpunkte in den Raum streuen. Das Ergebnis erinnert eher an Licht auf Wasser als an das gleichmäßige Leuchten einer Opalglaskugel.

Jede Scheibe wird von Hand geschnitten. Das prägt den Eindruck aus der Nähe: Die Kanten variieren leicht, die Töne reichen von Creme bis Silbergrau, und das Farbspiel verändert sich, wenn man vorbeigeht. Vom anderen Ende des Raums aus verschmelzen die einzelnen Scheiben zu einer einzigen glitzernden Masse.

Warum die Scheiben sich bewegen und klingen

Da die Scheiben frei an ihren kleinen Ringen hängen, reagieren sie auf jeden Luftzug. Eine Tür geht auf, jemand geht vorbei, ein Fenster steht einen Spalt offen: Die Muscheln schwingen, drehen sich um ein paar Grad und fangen das Licht neu ein. Die Leuchte ist selten ganz still, und deshalb wirkt sie lebendig, auch wenn niemand direkt hinsieht.

Berühren sich die Scheiben, entsteht ein leiser, gläserner Klang. Er ist dezent, eher ein Rascheln als ein Läuten, und nur zu hören, wenn sich die Luft bewegt. Kaum eine Leuchte spricht überhaupt das Ohr an, und hier zeigt sich besonders deutlich, dass Panton für die Sinne gestaltete und nicht allein für die Beleuchtung. Das hat auch praktische Folgen. Eine Fun-Leuchte direkt vor einem Lüftungsschlitz, einem Ventilator oder einer viel benutzten Tür klingt häufiger als eine, die in einer ruhigen Ecke hängt. Es lohnt sich also, vor der Wahl des Platzes über die Luftströmung im Raum nachzudenken.

Das Licht selbst ist Stimmungslicht. Die Muscheln dämpfen und streuen das Leuchtmittel, was Fun hervorragend für Atmosphäre und wenig geeignet zum Lesen macht. Betrachten Sie die Leuchte als atmosphärische Ebene eines Raums und kombinieren Sie sie dort, wo Sie Details sehen müssen, mit einer gerichteten Lichtquelle.

Fun Wall Lamp mit leuchtenden Muschelscheiben an einer hellen Wand neben einem rot gerahmten Fenster
Die Fun Wall Lamp neben einem Fenster, wo sich Tageslicht und Lampenlicht auf der Muscheloberfläche begegnen.

Vier Arten, mit Fun zu leben

VERPAN, das dänische Unternehmen, das sich ganz den Entwürfen Pantons widmet, fertigt die Serie heute in mehreren Formaten. Material und Konstruktion sind gleich, doch jede Variante passt an einen anderen Ort im Zuhause.

Die Fun Pendant 11DM ist die großzügigste der vier: Ø 70 cm, 44 cm hoch und 10 kg schwer, mit einem Gestell aus fünf verchromten Ringen. Ihre Etagen verleihen ihr echte Präsenz, am besten wirkt sie daher dort, wo der Blick an der Kaskade entlang nach unten wandern kann, über einem Esstisch, im Treppenhaus oder in einer zweigeschossigen Halle. Die kleineren Pendelgrößen stellt unser Vergleich der Fun 0DM, 1DM, 2DM und 10DM nebeneinander.

Die Fun Wall Lamp (die 1WM) misst Ø 40 cm, ist 58 cm hoch und 22 cm tief und wiegt 4 kg. Sie hat ein Gestell mit drei Ringen und bringt den Muscheleffekt an Stellen, die eine Pendelleuchte nicht erreicht. Paarweise links und rechts vom Bett montiert, hält sie die Nachttische komplett frei. Im Flur oder neben einem Spiegel sorgt sie für Textur auf Augenhöhe, genau dort, wo die Bewegung der Scheiben am deutlichsten auffällt.

Die Fun Table Lamp 1TM misst Ø 40 cm, ist 65 cm hoch und wiegt 8 kg, ebenfalls mit einem Gestell aus drei Ringen. Sie ist die größte Tischvariante und wirkt eher wie eine kleine Skulptur als wie eine Schreibtischleuchte. Stellen Sie sie auf eine Fläche, auf der man sie von allen Seiten sieht: eine Konsole im Eingang, ein langes Sideboard oder einen Ecktisch.

Die Fun Floor Lamp (die 1STM) ist 120 cm hoch bei Ø 40 cm und wiegt 10 kg. Hier sitzt die Muschelkaskade auf einem schlanken verchromten Ständer und wird so zu einer Säule aus perlmuttfarbenem Licht in einer Ecke oder neben einem Sessel. Tagsüber ist sie ein dekoratives Objekt, abends werfen die spiegelnden Scheiben das Licht zurück in den Raum.

Fun Floor Lamp mit Muschelscheiben auf einem verchromten Ständer neben einem geschwungenen grünen Sofa
Die Fun Floor Lamp neben einem geschwungenen Sofa, wo jede Bewegung im Raum die Muscheln sanft in Schwingung hält.
ModellTypGrößeGewichtGestellIdeal für
Fun Pendant 11DMPendelleuchteØ 70 cm, H 44 cm10 kgFünf RingeEsstische, Treppenhäuser, hohe Hallen
Fun Wall LampWandleuchteØ 40 cm, H 58 cm, T 22 cm4 kgDrei RingeNeben dem Bett, Flure, neben einem Spiegel
Fun Table Lamp 1TMTischleuchteØ 40 cm, H 65 cm8 kgDrei RingeKonsolen, Sideboards, Ecktische
Fun Floor LampStehleuchteØ 40 cm, H 120 cm10 kgDrei RingeWohnzimmerecken, neben einem Sessel

Eine Muschelleuchte richtig platzieren

Ein paar Gewohnheiten bringen die Serie am besten zur Geltung. Zuerst das Gewicht: Pendel- und Stehleuchte wiegen jeweils 10 kg, eine Pendelleuchte braucht also eine Deckenbefestigung, die für diese Last ausgelegt ist. Danach der Hintergrund. Eine ruhige, leicht warme Wand lässt die Muscheln leuchten, ein unruhiges Muster konkurriert mit ihnen. Und schließlich: Verwenden Sie ein warmweißes Leuchtmittel, am besten dimmbar, damit das Perlmutt cremig und silbern erscheint statt kühl bläulich.

Fun lässt sich außerdem gut mit Pantons übrigen Leuchten kombinieren. Ihr organischer Schimmer ist ein natürliches Gegenstück zu seinen eher geometrischen Entwürfen aus Acryl, Metall und Glas, und die gemeinsamen Chromdetails verbinden sie im selben Raum.

Fun Table Lamp 1TM mit leuchtenden Muschelscheiben in einem Raum mit geschwungenen weißen Sitzmöbeln
Die Fun Table Lamp 1TM in einem Raum voller weicher, geschwungener Formen, einer Formensprache, die Panton sein ganzes Berufsleben lang erkundete.

Die Serie musste nie überarbeitet werden, vor allem weil die Muscheln selbst nicht altern. Wer Fun neben VP Globe, Wire und Pantop sehen möchte, entdeckt die ganze VERPAN-Kollektion.