Tecnolumen-WG24-Wilhelm_Wagenfeld-fs-01_convert_afabfdde-1d74-44d7-98dd-026e47955a40.webp WG 24 Bauhaus table lamp by Wilhelm Wagenfeld with glass shaft and opal glass dome
on September 08, 2026

WG 24: Wagenfeld und die Metallwerkstatt am Bauhaus

Wer fragt, woher die Bauhaus-Leuchte kommt, bekommt als ehrliche Antwort: aus einem Klassenzimmer. Die WG 24 wurde in der Metallwerkstatt einer Schule ausgearbeitet, die sich gerade entschieden hatte, für die Maschine zu entwerfen, und fast jede Entscheidung an der Leuchte lässt sich auf das zurückführen, was dort gelehrt wurde. Es geht um diese Lehre, um die Geometrie, die daraus hervorging, und darum, was die Nummer auf einer heute montierten Leuchte tatsächlich festhält.

Eine Schule, die gerade umgedacht hatte

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar als Zusammenschluss einer Kunstakademie und einer Kunstgewerbeschule eröffnet, und in den ersten Jahren arbeiteten die Werkstätten noch nah am Handwerk. 1923, als die Schule ihre erste große öffentliche Ausstellung zeigte, war die erklärte Richtung die Industrie. Die Werkstätten sollten Prototypen entwickeln, die eine Fabrik übernehmen konnte, und der Unterricht wandte sich der elementaren Form zu, dem Verhalten der Materialien und einer Konstruktion, die sich wiederholen ließ, ohne dass an jedem Stück die Hand eines Meisters nötig war.

Die Metallwerkstatt, damals von László Moholy-Nagy geleitet, ließ die dekorative Silberschmiedearbeit weitgehend hinter sich und wandte sich der Beleuchtung zu. Sie war der eine Hausgegenstand, an dem eine neue Technik und ein neues Formdenken auf Augenhöhe zusammentrafen: elektrisches Licht brauchte einen Körper, und niemand hatte festgelegt, wie dieser Körper aussehen sollte. Wilhelm Wagenfeld lernte in dieser Werkstatt, und der Entwurf, der heute als WG 24 Bauhaus Table Lamp bekannt ist, stammt aus seinen Studienjahren dort. Die Zahl im Modellnamen ist eine Entwurfsbezeichnung, ein Hinweis darauf, um welche Zeichnung es sich handelt, und keine Aussage darüber, wie die Leuchte im Jahrhundert danach gebaut wurde.

Kugel, Zylinder und Scheibe

Liest man die WG 24 als drei Körper, wird die Lehre der Werkstatt sichtbar. Eine Scheibe: die klare Glasfußplatte mit 152 mm Durchmesser. Ein Zylinder: der Glasschaft, der das Metallrohr umschließt, statt es zu verdecken. Eine halbe Kugel: der halbkugelförmige Schirm aus Opalglas darüber. Nichts ist auf einen der drei Teile aufgesetzt, und die vernickelten Metallteile bleiben genau das, was sie sind: die Beschläge, die alles zusammenhalten und den Strom führen.

Die Proportionen sind so schlicht wie die Teile. Die Leuchte ist 360 mm hoch und steht auf einer Grundfläche von 180 mal 180 mm, ihre Höhe ist also genau doppelt so groß wie ihre Breite, und sie wiegt 1,8 kg, ein ruhiges Gewicht, das man beim Anheben spürt statt beim Verschieben. Diese Reduktion ist der Sinn der Übung. Wer für die Produktion entwerfen sollte, konnte sich nicht auf Ziselierung, Gravur oder aufgesetztes Ornament stützen, also blieben als Variablen nur die Formen selbst und die Ehrlichkeit ihrer Verbindungen.

Das Opalglas übernimmt den Teil der Arbeit, den man tatsächlich sieht. Es hüllt die Lichtquelle in eine streuende Halbkugel, sodass im Raum ein gleichmäßiges Leuchten ankommt statt eines sichtbaren Leuchtmittels. Deshalb wirkt die Leuchte auf dem Schreibtisch ruhig und nicht grell, und deshalb wurde sie zum alltäglichen Gesicht der Bauhaus-Ideen statt zu einem Ausstellungsstück.

WG 24 Bauhaus-Tischleuchte mit Opalglaskuppel, leuchtend auf einem Tisch
Scheibe, Zylinder und Kuppel: Die WG 24 hält jedes Element ihrer Konstruktion sichtbar.

Eine Aufgabe, drei Antworten

Wagenfeld behandelte die Anordnung als Frage, an der weiterzuarbeiten war, nicht als abgeschlossenes Objekt. Die WA 24 Bauhaus Table Lamp trägt dieselbe Opalkuppel über einer runden Glasfußplatte und einem Glasschaft mit vernickelten Metallteilen, behält den Zugschalter dort, wo die Hand ihn erwartet, und steht auf einem etwas breiteren Fuß von 160 mm. Die WG 25 GL Bauhaus Table Lamp, die er im Jahr darauf vorstellte, verlängert die Glassäule, sodass die Silhouette nach oben strebt und das Kabel sichtbar im transparenten Schaft verläuft. Nichts zu verbergen ist das Argument, und jede Variante formuliert es etwas anders.

ModellFuß und SchaftFußdurchmesserMaße (mm)
WG 24Klare Glasfußplatte, Glasschaft, der das Metallrohr umschließtØ 152 mm180 x 360 x 180
WA 24Runde Glasfußplatte und Glasschaft, vernickelte MetallteileØ 160 mm180 x 360 x 180
WG 25 GLGlasfuß mit verlängerter GlassäuleØ 152 mm180 x 360 x 180

Konstant bleibt der Schirm: Alle drei tragen dieselbe halbkugelförmige Opalkuppel, und alle drei belegen dasselbe Maß von 180 mal 360 mal 180 mm. Was sich ändert, ist die Art, wie das Licht nach oben geführt wird. Die beiden Bezeichnungen von 1924 liegen so nah beieinander, dass man sie vor der Wahl nebeneinanderstellt, und genau darum geht es in WG 24 vs. WA 24: Glas oder Metall am Bauhaus-Leuchtenfuß.

WG 25 GL Bauhaus-Tischleuchte mit verlängerter klarer Glassäule und Opalkuppel
Die WG 25 GL verlängert die Glassäule, sodass Kabel und Konstruktion sichtbar bleiben.

Was die Nummer auf einer Leuchte festhält

Jede WG 24 ist fortlaufend nummeriert und trägt sowohl die Bauhaus- als auch die TECNOLUMEN-Marke. Diese Praxis ist ein Register und keine Zierde. Die Nummer setzt eine einzelne Leuchte in eine laufende Folge, und die beiden Marken benennen, welchem Entwurf sie folgt und welche Werkstatt sie zusammengesetzt hat, sodass der Nachweis am Objekt bleibt und nicht in einem Ordner, der beim Umzug verloren geht.

Die betreffende Werkstatt steht in Bremen. TECNOLUMEN wurde dort 1979 von Walter Schnepel gegründet, dessen erstes Projekt es war, Wagenfelds Bauhaus-Tischleuchte wieder in die Produktion zu bringen, und die Leuchten werden bis heute nach den Originalzeichnungen von Hand montiert. Das ist der Grund, warum die Familie ihre Maße über die Modelle hinweg so genau hält: ein Fuß von Ø 152 mm und eine Höhe von 360 mm sind gezeichnete Werte, denen gefolgt wird, keine später gefundenen Näherungen.

Es erklärt auch die Gewohnheit des Markierens. Ein Entwurf, der seit einem Jahrhundert kopiert wird, braucht eine Möglichkeit zu sagen, nach welcher Zeichnung eine bestimmte Leuchte entstanden ist, und ein eingeprägtes Zeichen plus Seriennummer ist die schlichteste verfügbare Methode. Es ist dieselbe Logik wie bei der Leuchte selbst: die Tatsachen dort nennen, wo jeder sie lesen kann.

Leben mit einer Leuchte für den kleinen Tisch

Die Grundfläche war für die Schreibtische und Nachttische der 1920er Jahre gedacht, und 180 mm im Quadrat passen noch immer dorthin, wo größere Leuchten scheitern: auf einen schmalen Nachtschrank, ein Regalbrett neben dem Sessel, die Ecke eines ohnehin zu vollen Schreibtischs. Das 2,5 m lange Kabel gibt genug Spiel, um eine Steckdose an der Fußleiste zu erreichen, ohne einen Weg zu kreuzen, und mit 1,8 kg bleibt die Leuchte dort, wo man sie hinstellt.

Aus dem Opalschirm folgen zwei Hinweise zur Platzierung. Weil das Glas in alle Richtungen streut, beleuchtet die WG 24 die Fläche, auf der sie steht, ebenso wie die Luft ringsum, was sie zu einer guten einzelnen Lichtquelle in einem kleinen Raum macht und zu einer schlechten Wahl für alle, die Licht auf eine Seite gerichtet haben wollen. Und weil so viel des Körpers aus Glas besteht, wirkt sie am besten dort, wo sich etwas durch sie hindurch lesen lässt: vor einer Bücherwand, gegen ein Fenster in der Dämmerung, auf einem Sideboard mit etwas Platz ringsum.

WG 24 Bauhaus-Tischleuchte leuchtend auf einer Holzfläche in einem Wohnraum
Diffuses Opallicht passt eher zu Nachttisch oder Schreibtischecke als zu einer Leseposition.

Ein Jahrhundert nach der Metallwerkstatt funktioniert die Leuchte noch immer als das Lehrbeispiel, als das sie begann: drei geometrische Körper, sichtbar gelassene Materialien, Licht, das sich ruhig verhält. Die gesamte TECNOLUMEN Kollektion zeigt den Rest der Wagenfeld-Linie und die späteren Arbeiten, die die Bremer Werkstatt übernommen hat.