Poul Henningsen baute die meisten seiner Tischleuchten um einen einzigen Kunstgriff: Der Schaft wird gebogen, und der Schirm steht über der Seite statt hinter ihr. Die PH 2/2 Question Mark, die PH 2/2 Luna und die PH 1/1 Piano nutzen alle diese Krümmung, und jede greift unterschiedlich weit aus, zu einer anderen Fläche. Hier steht, was sie unterscheidet.
Warum der Schaft sich biegt
Henningsens Dreischirmsystem entstand, um die Blendung zu lösen. Die Schirme sind so gestaffelt, dass das Leuchtmittel nie im Blickfeld liegt, und das Licht verlässt sie reflektiert und abgestuft statt direkt. Bei einer Pendelleuchte genügt das, weil die Leuchte ohnehin über dem Tisch hängt. Bei einer Tischleuchte muss derselbe Kopf nach vorn getragen werden, über ein Buch, eine Partitur oder einen Teller, und dieses Tragen nach vorn ist die ganze Aufgabe des gebogenen Schafts. Unser Beitrag dazu, wie das PH Dreischirmsystem funktioniert, erklärt die Zahlen hinter den Namen.
Diese drei Leuchten stammen aus den beiden Jahrzehnten, in denen Henningsen diese Idee am weitesten trieb. Zwei davon wurden 1931 gezeichnet. Die dritte gehört in die späten 1930er Jahre, jene Phase, aus der die ausgereiftesten Versionen des Systems hervorgingen.
PH 2/2 Question Mark: eine Windung aus Messing und zartrosa Glas
Die PH 2/2 Question Mark Pale Rose Table Lamp wurde 1931 entworfen und ist nach dem benannt, was ihr Schaft tut. Er steigt auf, rollt sich wie ein Satzzeichen zurück und endet unter dem Schirmkopf. Der Kopf lässt sich dann um 45° zu beiden Seiten neigen, was bei einer frühen PH Leuchte selten war: Die meisten setzen das Licht, diese richtet es aus.
Der Schirm ist mundgeblasenes, vierlagiges Glas in Zartrosa, außen glänzend und innen weiß sandgestrahlt, sodass die Farbe im Raum sichtbar bleibt, während die dem Leuchtmittel zugewandte Fläche matt ist. Fassung, Schirmhalter, Schaft, Fuß und Schalter sind unbehandeltes, gebürstetes Messing mit den feinen Schleifspuren darin, eine Oberfläche, die im Gebrauch tiefer wird, statt unverändert zu bleiben. Das Kabel ist 2,8 m weißes Textilkabel mit Zwischenschalter.

Sie misst 275 mm in der Breite, 410 mm in der Höhe und 200 mm in der Tiefe und wiegt 5,1 kg. Dieses Gewicht zählt im Gebrauch: Die Leuchte bleibt stehen, während man den Kopf über den Schreibtisch schwenkt, der Fuß braucht also nie eine zweite Hand. Das Leuchtmittel ist E27, eines, maximal 25 W, IP20 für Innenräume. Von den dreien ist sie die Wahl, wenn das Licht im Lauf des Abends wandern soll, vom Buch auf dem Nachttisch zu einer Wand, die in rosé getöntes Licht getaucht werden soll.
PH 2/2 Luna: Leselicht neben dem Bett
Die PH 2/2 Luna Aged Brass Opal Table Lamp entstand in den späten 1930er Jahren für die heikelste Aufgabe im Haus: Licht neben dem Bett, offen genug zum Lesen und gefasst genug, um die Person daneben schlafen zu lassen. Ein oberer Schirm von 20 cm sitzt über passenden unteren Schirmen, alle aus dreilagigem, mundgeblasenem Opalglas, außen glänzend und innen sandgestrahlt.
Auch ihr Schaft ist gebogen, aber leise. Statt den Kopf weit hinauszutragen, neigt er ihn zum Lesenden, was das Leuchtmittel vor jemandem verbirgt, der aufrecht mit einem Buch sitzt, und ebenso vor der Person, die daneben liegt. Der Korpus ist lackiertes Aged Brass, bereits nachgedunkelt, sodass er sich neben Eiche, Nussbaum und Rattan einfügt, statt sich davon abzuheben.

Der Schirm misst Ø 255 mm, die Leuchte steht 324 mm hoch, und der Fuß misst Ø 120 mm. Mit 1,6 kg ist sie die leichteste der drei, leicht vom Nachttisch auf eine Fensterbank oder ein niedriges Bücherregal zu heben, wenn der Abend weiterzieht. Das Kabel ist 2,5 m schwarzes Textilkabel, und der Schalter sitzt am Fuß, in Reichweite, ohne sich aufzusetzen. Leuchtmittel ist E27, eines, maximal 75 W.
PH 1/1 Piano: ein Schirm über den Tasten
Die erste PH Piano Lamp wurde 1931 für Menschen gezeichnet, die Noten lesen. Ihr Schaft ist gebogen und beweglich und führt den Schirm über die Klaviatur, während ein kugelförmiges Gegengewicht am hinteren Ende die Balance hält. Der Kopf neigt sich 45° nach hinten und 25° nach vorn, sodass das Licht auf die Noten fällt und nicht in die Augen des Spielenden. Die PH 1/1 Piano Table Lamp in der Limited Edition 2026 behält diesen Mechanismus und bringt ihn auf die Maße einer Tischleuchte.
Der Schirm ist vierlagiges, mundgeblasenes Glas in staubigem Terrakotta mit weißer Innenseite, unten geschlossen von einem satinierten Diffusor und einem Bodenglas. Die Farbe wirkt quer durch den Raum warm, während das Licht darunter weich bleibt. Gestell, Arm und Gegengewicht sind gebürstetes Messing, gealtert und klar lackiert, die Schleifspuren bleiben sichtbar, und auf dem Schaltergehäuse sind Henningsens Initialen eingraviert. Weil das Glas mundgeblasen ist, weicht ein Stück leicht vom nächsten ab.

Die Proportionen verraten die Idee. Sie misst 417 mm in der Breite gegenüber 364 mm in der Höhe, auf einem Fuß von Ø 153 mm mit einem Schirm von Ø 160 mm, ist also breiter als hoch, und ihre Ausdehnung verläuft waagerecht. Deshalb legt sie sich entlang der Oberseite eines Klaviers, eines Schreibtischs oder einer Fensterbank, ohne dem im Weg zu stehen, was dahinter steht. Das Kabel ist 2,6 m dunkelbraunes Textilkabel mit Schalter an der Leuchte, und das Leuchtmittel ist G9, maximal 20 W, IP20 und Schutzklasse II.
Welche zu welcher Fläche passt
| PH 2/2 Question Mark | PH 2/2 Luna | PH 1/1 Piano | |
|---|---|---|---|
| Designer und Jahr | Poul Henningsen, 1931 | Poul Henningsen, späte 1930er Jahre | Poul Henningsen, 1931 |
| Schirmglas | Vierlagig Zartrosa, innen weiß sandgestrahlt | Dreilagig Opal, innen sandgestrahlt | Vierlagig staubiges Terrakotta, weiße Innenseite |
| Metalloberfläche | Unbehandeltes gebürstetes Messing | Lackiertes Aged Brass | Gebürstetes Messing, gealtert und klar lackiert |
| Maße | 275 x 410 x 200 mm, 5,1 kg | Schirm Ø 255 mm, Höhe 324 mm, Fuß Ø 120 mm, 1,6 kg | 417 x 364 mm, Fuß Ø 153 mm, Schirm Ø 160 mm |
| Verstellung | Kopf 45° zu beiden Seiten neigbar | Feste Neigung zum Lesenden | Kopf 45° nach hinten und 25° nach vorn, an beweglichem Arm |
| Leuchtmittel | E27, max. 25 W | E27, max. 75 W | G9, max. 20 W |
| Passt zu | Schreibtisch oder Nachttisch, wo das Licht gerichtet werden muss | Nachttisch oder niedriges Regal | Klavier, langer Schreibtisch oder tiefe Fensterbank |
Liest man die Zeilen zu Maßen und Verstellung zusammen, fällt die Entscheidung meist von selbst. Die Question Mark ist die Arbeitsleuchte: schwer im Fuß, frei im Kopf, am wohlsten dort, wo eine Aufgabe im Lauf des Abends wandert. Die Luna ist die stille, klein und leicht, gebaut für einen einzigen festen Abstand zwischen Schirm und Buch. Die Piano ist die lange, gezeichnet, um über etwas Breites zu greifen, und diejenige, die einen Raum ausgeschaltet am stärksten verändert, weil ein niedriger, waagerechter Schirm aus Terrakottaglas eher als Objekt denn als Leuchte gelesen wird.
Ein letzter Gedanke gilt der Farbe. Zartrosa und staubiges Terrakotta bringen beide Wärme in den Raum, solange draußen Tageslicht ist, was einer Fläche entgegenkommt, auf die man den ganzen Tag schaut. Opal bleibt neutral und verschwindet vor einer hellen Wand, bis es leuchtet. Wer sehen möchte, wie sich diese drei zum übrigen Feld verhalten, von Bauhaus Neuauflagen bis zu kabellosen Entwürfen, findet in der Kollektion Tischleuchten alles beieinander.
