Die meisten Leuchten sind für einen einzigen Ort gedacht: den Schreibtisch, den Boden, die Decke. 1930 entwarf Wilhelm Wagenfeld eine kleine vernickelte Leuchte, die nachts neben dem Bett stehen und anschließend an die Wand daneben gehängt werden konnte. Dies ist die Geschichte der WNL 30, warum ihre zwei Gelenke wichtig sind und wo sie heute in einer Wohnung ihren Platz verdient.

Weimar, nachdem das Bauhaus gegangen war
Wagenfeld wurde 1900 in Bremen geboren und machte eine Ausbildung zum Silberschmied, bevor er an das Bauhaus in Weimar kam. Dort trat er in die Metallwerkstatt ein, die Abteilung, die das Gerede der Schule über Industrie in Gegenstände verwandelte, die man tatsächlich benutzen konnte. In dieser Werkstatt entstand 1924 die Tischleuchte aus Glas und Metall, die heute schlicht als Bauhaus-Leuchte bekannt ist, die WG 24 Bauhaus Table Lamp.
1925 zog das Bauhaus nach Dessau. Wagenfeld blieb in Weimar und arbeitete weiter in Metall, an der Schule, die die alten Gebäude übernahm. 1930 war er kein Student mehr, der ein erstes Statement abgab. Er war ein praktizierender Gestalter, der darüber nachdachte, wie gewöhnliche Räume genutzt werden, und die WNL 30 gehört in diese praktischere Phase. Sie trägt dieselben Lehren der Werkstatt in sich: industrielle Materialien, schlichte Geometrie, jedes Teil sichtbar und mit einer Aufgabe.
Die Frage, die sie beantwortet, ist bescheiden. Ein Nachttisch ist klein, und eine Leseleuchte darauf nimmt den Großteil der Fläche ein. Eine Wandleuchte macht den Tisch frei, bleibt aber an einer Stelle fixiert. Wagenfelds Antwort waren nicht zwei Leuchten, sondern eine, mit einem Körper, der je nach Raum und Woche abgestellt oder aufgehängt werden konnte.
Zwei Gelenke, zwei Positionen
Die ganze Idee steckt im Arm. Ein schmaler Flachstab verbindet den Schirm mit dem Fuß und ist an zwei Punkten drehbar. Mit aufrecht eingeklapptem Stab steht die Leuchte als kompakte Tischleuchte auf ihrem runden Fuß. Schwenkt man den Stab aus, kann der Schirm neben einer Fläche statt auf ihr sitzen, oder der Fuß wird an der Wand befestigt, sodass der Schirm seitlich an einem Bett oder Sessel hängt.

Weil sich der Schirm dreht und der Arm klappt, lässt sich das Licht auf eine Buchseite richten, für ein weicheres Streulicht gegen die Wand wenden oder im Stand nah an den Fuß heranholen. Die Leuchte passt sich der Aufgabe an, nicht der Leser der Leuchte. Für 1930 war das eine leise radikale Haltung: ein Wohnobjekt, das darum herum gestaltet ist, wie Menschen sich durch einen Tag bewegen, und nicht um einen festen Punkt im Raum.
Nichts daran ist Dekoration. Die sichtbaren Schrauben und die offenen Drehpunkte gehören zum Verständnis des Objekts, genau wie bei der WG 24. Man sieht, wie sie funktioniert, indem man sie anschaut.
Materialien und Maße
Die WNL 30 Wagenfeld Multi-Purpose Lamp besteht aus massivem vernickeltem Messing, mit einem Diffusor aus Opalglas und den beiden oben beschriebenen verstellbaren Gelenken. Sie ist 280 mm hoch. Der Schirm misst Ø 70 mm und der Fuß Ø 98 mm, damit ist sie ein wirklich kleines Objekt: in ihrer Standfläche näher an einer Kaffeetasse als an einer üblichen Tischleuchte.
Das Opalglas ist der Teil, der das Licht bestimmt. Es ist ein schlanker Zylinder, auf einer Seite teilweise von poliertem Metall ummantelt, sodass das Glas gleichmäßig leuchtet statt als harter Lichtpunkt. Die Vernickelung verleiht dem Messing einen warmen metallischen Glanz, der die Farben des umgebenden Raums aufnimmt. Jede Leuchte ist nummeriert und mit dem TECNOLUMEN-Signet gestempelt.

Maßstab innerhalb der Wagenfeld-Familie
Neben Wagenfelds bekannteren Leuchten zeigt die WNL 30, wie weit sein Spektrum an Größen reichte. Die Tabelle unten verwendet die für jeden Entwurf angegebenen Maße.
| WNL 30 | WG 24 | WSTL 30 | |
|---|---|---|---|
| Entworfen | 1930 | 1924 | 1930 |
| Höhe | 280 mm | 360 mm | 1570 mm |
| Fuß | Ø 98 mm | Ø 152 mm | Ø 360 mm |
| Diffusor | Opalglaszylinder | Opalglas-Halbkugel | Stoffbezogener Schirm |
| Korpus | Vernickeltes Messing, zwei Gelenke | Fuß und Schaft aus Klarglas, vernickelte Teile | Vernickeltes Metall, schwarz lackierter Fuß |
| Ideal für | Nachttisch, Klavier, Regal, Wand | Schreibtisch, Sideboard, Nachttisch | Neben Lesesessel oder Sofa |
Die WG 24 mit 180 x 360 mm ist die Leuchte, die die meisten vor Augen haben, wenn sie an Wagenfeld denken. Die WNL 30 ist 80 mm niedriger und ihr Fuß etwa ein Drittel schmaler, sodass sie dort Platz findet, wo die WG 24 die Fläche überfüllen würde. Am anderen Ende stammt die WSTL 30 Wagenfeld Floor Lamp aus demselben Jahr wie die WNL 30, ragt aber 1570 mm auf. Beide Entwürfe von 1930 teilen den schlanken Schaft, den runden Fuß und den Verzicht auf Ornament; die eine ist für einen Raum bemessen, die andere für ein Regal. Die frühere Geschichte der Metallwerkstatt selbst erzählen wir in unserem Beitrag über die WG 24 und Wagenfelds Jahre in der Metallwerkstatt.
Wo sie heute funktioniert
Die kleine Standfläche und der Klapparm legen vor allem vier Orte nahe.
- Am Bett. Dafür wurde sie entworfen. Stehend lässt sie auf einem schmalen Nachttisch Platz für ein Buch und ein Glas Wasser. Neben dem Kopfteil an der Wand montiert, macht sie die Fläche ganz frei, was in kompakten Schlafzimmern zählt, in denen der Platz am Bett in Zentimetern gemessen wird.
- Klavier. Ein Fuß von Ø 98 mm steht bequem auf einem Klavier, und der drehbare Schirm lässt sich nach unten auf die Noten neigen.
- Regal. Im Bücherregal wirkt sie wie ein kleines Objekt unter anderen statt wie ein Gerät, und der Arm kann den Schirm über die Regalkante hinaus nach vorn schieben.
- Leseecke. Neben einem Sessel an der Wand befestigt, spendet sie nahes, gerichtetes Licht ohne die Standfläche einer Stehleuchte.

Zwei praktische Hinweise. Das Opalglas reinigt man am besten mit einem weichen, trockenen oder kaum feuchten Tuch, und die Vernickelung behält bei derselben sanften Pflege ihren Glanz. Und weil die Gelenke der eigentliche Sinn der Leuchte sind, sollte man ihren Platz mit Blick auf Bewegung wählen: etwas Abstand lassen, damit der Arm schwenken kann, ohne an eine Wand oder ein Kopfteil zu stoßen.
Rekonstruiert nach den Zeichnungen von 1930
TECNOLUMEN wurde 1979 von Walter Schnepel in Bremen gegründet, und das erste Projekt war, Wagenfelds Bauhaus-Tischleuchte wieder in Produktion zu bringen. Darin schließt sich ein schöner Kreis: eine Bremer Firma fertigt das Werk eines in Bremen geborenen Gestalters. Die WNL 30 wurde nach Wagenfelds Zeichnungen von 1930 rekonstruiert und wird in Deutschland aus massivem Messing gefertigt, wie vorgesehen, statt neu interpretiert zu werden.
Diese Werktreue ist der Grund, sich für sie zu entscheiden. Die WNL 30 ist ein kleines Stück Designgeschichte mit einem schlüssigen Argument im Inneren: dass ein gut gemachtes Objekt zwei Orten in einem Raum dienen kann. Wenn sie zu Ihrem Nachttisch oder Ihrem Klavier passt, fügt sie sich mühelos zu den übrigen Leuchten Wagenfelds. Entdecken Sie die gesamte TECNOLUMEN-Kollektion mit den Tisch-, Wand- und Stehleuchten, die ihren Ursprung teilen.
